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Vor allen Dingen in Deutschland ist in den letzten Jahren ein neuer Mythos entstanden. Gute und talentierte Bands zollen den Größen der Rockmusik "tribute". Und wie so oft im Leben, machen es die einen sehr gut, und den anderen gelingt es vielleicht nicht ganz so nah an das Original heranzukommen. Letztlich ist es natürlich Geschmackssache, Tagesform und Ähnliches, was dazu gehört. Wer es allerdings definitiv drauf hat, sind DEMON'S EYE, die die große Musik von DEEP PURPLE in absoluter Professionalität genial auf die Bühne bringen. Und zwar so gut, dass einige (aktuelle und ehemalige) Musiker von DEEP PURPLE das Unternehmen DEMON'S EYE nicht nur unterstützen, sondern gemeinsam mit der Tribut-Band aus Deutschland die Bühnen rocken.
Wir sprachen mit dem Gründer und Mastermind von DEMON'S EYE, dem Schlagzeuger Andree Schneider über die Band.
Home of Rock: Hallo Andree, schön, dass du dir die Zeit nimmst, mit dem Home of Rock ein wenig zu plaudern. Du bist der Schlagzeuger der inzwischen überregional bekannten DEEP PURPLE-Tribute Band DEMON'S EYE. Ihr habt euch bereits 1998 gegründet. Erzähle uns doch ein wenig davon, wie alles anfing. Waren von Beginn an alle Musiker absolute DEEP PURPLE-Freaks und direkt in der Lage, die Songs dieser großen Gruppe zu spielen?
Andree Schneider: Eines kann ich mit Bestimmtheit sagen: Von Anfang an waren bei DEMON'S EYE echte DEEP PURPLE-Freaks am Werk! Ich glaube auch, dass man einer Band wie DEEP PURPLE nur adäquat Tribut zollen kann, wenn man als Musiker mit Leib und Seele bei der Sache ist und diese Musik wirklich liebt, wobei es ohne ein gewisses handwerkliches Können natürlich auch nicht geht.
Wie fing alles an? Ende 1997 habe ich die ersten Kontakte geknüpft. Letztendlich kam aber richtig Fahrt in die Sache, als ich mit Steve Curly einen geeigneten Gitarristen fand. Im Februar 1998 fand die erste Session statt, bei der alle Beteiligten soviel Spaß hatten, dass wir gleich die nächsten Sessiontermine vereinbarten. Uns war sehr schnell klar, dass man daraus mehr machen konnte als ein reines Spaßprojekt. Schon am 18. Juli 1998 hatten wir in Bad Schmiedeberg unsere Live-Premiere. Und da sind wir auch sofort richtig gut angekommen. Den Anfang hatten wir also ordentlich gemeistert, so dass wir natürlich voller Enthusiasmus weiter machten.
HoR: Wann zeichnete sich ab, dass die ganze Geschichte fast schon professionelle Züge annehmen wird?
A.S.: Ich würde sagen, vor ca. fünf Jahren, also Anfang 2004. Ich stieß damals an die Grenzen meiner Belastbarkeit. Auf der einen Seite hatte ich meinen regulären bürgerlichen Job, auf der anderen Seite war da meine zeitintensive Tätigkeit als Drummer und Manager von DEMON'S EYE, die immer erfolgreicher wurden. Mit steigendem Erfolg nahm natürlich auch die Arbeit zu. Ich bekam schließlich gesundheitliche Probleme, weil ich überhaupt nicht mehr zur Ruhe kam. Also stand ich vor der Entscheidung, entweder mit der Musik kürzer zu treten oder aber in meinem regulären Job kürzer zu treten. Anders gesagt: ich musste mich entscheiden, ob ich das Musikgeschäft weiter als Hobby oder semiprofessionell betreiben wollte. Ich habe mich für Letzteres entschieden und habe es bis heute keine Sekunde bereut. Dank dieses Entschlusses konnte ich mich noch intensiver ums Management kümmern, was der Band zu Gute kam. Seitdem zeigt die Erfolgskurve vom Grundsatz her eindeutig nach oben. Natürlich gab es auch bei uns nicht nur gute Zeiten. Gerade wenn die Chemie innerhalb der Band nicht oder nicht mehr stimmt, wird das Ganze sehr schnell zur Belastungsprobe. So hat es in den vergangenen 11 Jahren auch einige Besetzungswechsel gegeben und ich bin inzwischen sogar das letzte verbliebene Gründungsmitglied von DEMON'S EYE. Aber in der derzeitigen Formation ziehen alle an einem Strang - und das hoffentlich noch sehr lange!
HoR: Inzwischen hat ja auch die Original-Band von euch mehr als Notiz genommen, und vor allen Dingen Roger Glover als auch Drummer Ian Paice sind von eurer Leistung mehr als beeindruckt. Wie kam der Kontakt zu den "echten Größen" zustande und wann/wie reifte die Idee, dass ihr sogar gemeinsame Gigs mit den Musikern spielt?
A.S.: Ich kenne die Musiker von DEEP PURPLE schon seit 1996 relativ gut, weil ich damals den deutschen DEEP PURPLE-Fan-Club "The Aviator" mit ins Leben gerufen habe und dadurch plötzlich sehr nahe an Gillan & Co. heran kam. Damals gab es DEMON'S EYE noch gar nicht. Ich habe insbesondere zu Roger Glover einen sehr guten Draht. Wir treffen uns immer, wenn DEEP PURPLE in Deutschland unterwegs sind und tauschen uns auch regelmäßig per E-Mail aus. Da hat sich über die Jahre eine richtige Freundschaft entwickelt.
Was die gemeinsamen Gigs mit den Originalen angeht: Man muss halt einfach nur fragen. Und wenn einem einer der Stars dann "grünes Licht" gibt, muss man eine Menge Arbeit investieren und auch Ideen entwickeln, wie man ein solches Konzert in die Tat umsetzen kann. Inzwischen ist es natürlich auch so, dass wir uns einen Namen gemacht haben - auch bei den Originalmusikern. Die registrieren schon sehr genau, mit wem DEMON'S EYE bislang so gespielt haben. Dadurch sind wir "interessant" geworden. Aber um es ganz deutlich zu sagen: Letzten Endes ist das Zustandekommen von Konzerten mit Leuten wie Ian Paice, Glenn Hughes oder Jon Lord in erster Linie das Ergebnis verdammt harter Arbeit! Geschenkt bekommt man nämlich gerade im Musikbusiness nichts.
HoR: Wie und wann entschied sich, dass ihr auch mit Sänger Doogie White (Ex-RAINBOW) auftreten werdet? Hat das Original, Ian Gillan, noch nicht zugesagt?
A.S.: Ehrlich gesagt habe ich Ian Gillan noch nicht gefragt. Die Anfrage an Doogie wurde aus der Not geboren. Wir standen für zwei Konzerte ohne Sänger da, weil unser damals noch neuer Sänger Bernd Martin auf Grund einer früheren anderweitigen Zusage nicht zur Verfügung stand. Also schrieb ich Doogie eine Mail und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, bei uns auszuhelfen. Vier Stunden später kam die Zusage aus England. Ein Blick auf unsere MySpace-Seite hatte ihm offenbar gereicht. Wir waren natürlich überglücklich! Beide Seiten waren von den gemeinsamen Auftritten so begeistert - das passte menschlich wie musikalisch perfekt zusammen -, dass wir am 27. und 28. November 2009 in Unna und Isernhagen (bei Hannover) zwei weitere Konzerte mit Doogie geben werden. Wir spielen dann auch wieder einige RAINBOW-Perlen. Klaro, wenn man schon mal einen ehemaligen RAINBOW-Sänger dabei hat...
HoR: Nun hat ja auch Bassist und Sänger Glenn Hughes zugesagt. Der Mann stammt aus einer DEEP PURPLE-Ära, kurz bevor es zum ersten offiziellen Split kam und die von vielen Fans als sehr kritisch betrachtet wird. Glenn Hughes hat sehr viel Soul und Funk in seiner Musik, allerdings wohl auch so viel, dass Ritchie Blackmore gerade deswegen sich dazu entschieden hatte, DEEP PURPLE zu verlassen. Haben diese Tatsachen maßgeblichen Einfluss auf die Setlist (Songauswahl), die ihr mit Glenn Hughes spielen werdet?
(Anm. der Red.: Das Konzert mit Glenn Hughes findet am 31.05.09 in Netphen-Dreis-Tiefenbach bei Siegen statt)
A.S.: Wir spielen mit Glenn ausschließlich Songs von den DEEP PURPLE-Alben, auf denen er auch mitgewirkt hat, also Songs von "Burn", "Stormbringer" und "Come Taste The Band". Ich finde übrigens die so genannte Mark III-Besetzung von DEEP PURPLE sehr reizvoll. Klar ist die Mark II-Besetzung mit Ian Gillan und Roger Glover für viele Fans das Nonplusultra, aber ein Album wie "Burn" oder auch das hervorragende Live-Album "Made in Europe" kann wohl niemand ernsthaft als schlecht bezeichnen. Und auch auf "Stormbringer" sind außer dem Titelsong noch weitere tolle Songs enthalten - z. B. das geniale Soldier Of Fortune. Und das ohne Ritchie Blackmore aufgenommene "Come Taste The Band"-Album wird nun schon seit mehr als drei Jahrzehnten vollkommen unterschätzt! Ich denke, dass der Auftritt mit Glenn ein echtes Freudenfest für alte DEEP PURPLE-Fans wird. Immer wieder gibt es Gerüchte über eine Mark III-Reunion, aus der voraussichtlich nie etwas wird. Die Fans, die gerne Songs aus dieser Zeit hören wollen, haben am 31. Mai die wirklich einmalige Gelegenheit. Bekanntermaßen ist Glenn der einzige DEEP PURPLE-Sänger, der auch heute noch stimmlich voll auf der Höhe ist. Und ein herausragender Bassist ist er auch. Ich freue mich unheimlich auf das Konzert mit ihm. Und im Übrigen kann ich dich beruhigen: Es wird nicht funkig und soulig, sondern rockig werden, sehr rockig!
HoR: Es gibt auf Grund der vielen Jahre, die DEEP PURPLE im Geschäft sind, unendlich viele verschiedene Versionen, insbesondere von den sog. Klassikern. Immerhin waren DEEP PURPLE in den 70er-Jahren für ihren gekonnten Drang zur Improvisation bekannt. Wie ist es mit der Auswahl für DEMON'S EYE? Auch viel frei Schnauze oder überwiegt dann doch des Öfteren ein vorher festgelegter Songablauf, weil man selbst eben nicht das Original ist?
A.S.: Wir bezeichnen uns ganz bewusst nicht als Coverband, sondern als Tribute Band. Wir haben sehr gute Musiker an Bord, denen es viel zu langweilig wäre, bei jedem Konzert jeden Song gleich zu spielen, also "nur" zu covern. Bei uns wird sehr viel improvisiert, natürlich im typischen PURPLE-Style. Das ist auch der Grund dafür, dass uns immer mehr Leute quer durch die Republik hinterherfahren. Die wissen sehr genau, dass bei uns kein Konzert dem anderen gleicht. Besonders Songs wie Mistreated oder Space Trucking eignen sich wunderbar für ausgedehnte Improvisationen. Aber auch bei den anderen Songs nehmen wir uns die Freiheit, im wahrsten Sinne des Wortes eine eigene Note mit einzubringen. Die Gitarren-/Orgelduelle sind z. B. nie einstudiert. Nach einem Konzert kam mal ein wütender Konzertbesucher zu mir und meinte: "Ihr habt ja zum Teil ganz andere Soli als auf 'Made In Japan' gespielt." Da habe ich ihm gesagt: "Das hast Du richtig erkannt. Wenn Du unbedingt die Soli von 'Made In Japan' hören willst, dann solltest Du dir zu Hause diese Platte auflegen". DEEP PURPLE haben damals auch bei jedem Konzert andere Soli gespielt. Das war es doch gerade, was diese Band so einzigartig machte. Sorry, aber wer das nicht begreift, hat den Spirit der DEEP PURPLE-Musik nicht verstanden. Nun ja, immerhin hat er erkannt, dass wir Songs von DEEP PURPLE spielen…
In Soest sagte mir mal ein Zuschauer nach zweieinhalb Stunden feinstem DEEP PURPLE-Rock: "Mann, das war ein geiles Konzert. Tolle Band. Ähm, das sind doch Songs von den DIRE STRAITS, die ihr da spielt, oder?" Ha ha ha - ich glaube ich habe selten so dämlich aus der Wäsche geschaut wie in diesem Moment.
Aber wieder zurück zum Thema "Improvisation": Die Musik von DEEP PURPLE lebt von der Improvisation, vom Sound - der bei uns eindeutig an die 70er Jahre DEEP PURPLE angelehnt ist - und von einer energiegeladenen und powervollen Darbietung. Auch diesbezüglich haben DEMON'S EYE einiges zu bieten. Insbesondere die fast schon akrobatischen Einlagen unseres Gitarristen Mark Zyk sind bemerkenswert. Da muss im Eifer des Gefechts auch schon mal eine Gitarre dran glauben... Aber auch unser Bassist Maik Keller, Organist Andreas König, Sänger Bernd Martin und ich an den Drums rocken was das Zeug hält. Das Publikum merkt sehr schnell, ob man nur seinen Stiefel runterspielt oder ob man mit echter Hingabe bei der Sache ist. Wenn wir alles geben, dann gibt auch das Publikum alles… außer im Frankenland ha ha ha… Ein cooles "Passt scho" ist bei den Franken nämlich die höchste Form der Anerkennung und ein Zeichen absoluter Ekstase.
Übrigens werden wir auch mit Glenn in altbekannter Manier viel improvisieren und jammen. "Nur" weil Glenn dabei ist, werden wir nicht zur reinen Coverband mutieren, nur weil das vielleicht sicherer ist. Das ist einfach nicht unser Ding. Wir riskieren lieber etwas, indem wir spontan bleiben. Damit haben wir sowohl Ian Paice als auch Doogie White überzeugt, und ich bin zuversichtlich, dass uns das auch bei Glenn gelingen wird.
HoR: Worauf basiert der damalige Entschluss, ein DEEP PURPLE-Tribute zu gründen? Waren es nur die großartigen Songs dieser großartigen Band oder war es auch die musikalische Herausforderung?
A.S.: Der wichtigste Grund ist ganz einfach: Wir waren und sind Fans dieser einzigartigen Band und es macht einen Riesenspaß, die Songs zu spielen. Aber natürlich ist es auch eine große Herausforderung, denn bei DEEP PURPLE waren und sind ausschließlich Koryphäen am Start!
HoR: Was sind denn deine persönlichen DEEP PURPLE-Highlights und welche Songs spielt die Band DEMON'S EYE am liebsten?
A.S.: Meine persönlichen Highlights in unserem Liveset sind Highway Star, Burn, Child In Time, Mistreated und Space Trucking. Welche Songs die Band am liebsten spielt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, weil natürlich jeder einen eigenen Geschmack hat. Aber ich denke schon, dass jeder von uns diese 5 genannten Songs gerne spielt.
HoR: Wenn man in Deutschland und auch den Nachbarländern bereits so bekannt ist, ein Roger Glover am Cover-Artwork eurer Live-Aufnahme mitgewirkt hat, wenn man mit Teilen von den originalen Musikern gespielt hat: Was sind eure nächsten Ziele, die ihr verwirklichen möchtet? Ein Auftritt beim legendären Montreux-Festival vielleicht? Oder ein Auftritt in einem Hotel mit Blick auf den Genfer See?
A.S.: Nee, das Montreux-Festival überlassen wir den Originalen, denn die haben da offenbar ein Abo. Außerdem ist uns das viel zu gefährlich in Montreux, wegen der Brandgefahr...
Im Ernst - das Jahr 2009 steht für DEMON'S EYE ganz im Zeichen der besonderen Konzerte. Neben den regulären Konzerten treten wir als Support für SAGA und FOREIGNER auf, spielen mit Glenn Hughes und Doogie White und werden am 23.10.2009 im nordrhein-westfälischen Siegen gemeinsam mit Jon Lord und der Philharmonie Südwestfalen das legendäre "Concerto For Group And Orchestra" aufführen und Lords bekannteste Solostücke sowie einige DEEP PURPLE-Klassiker spielen. Langweilig wird uns also in diesem Jahr definitiv nicht!
HoR: DEMON'S EYE haben inzwischen auch eigene, selbst geschriebene Songs im Gepäck. Was plant ihr damit? Ein eigenes Album? Wie reifte der Entschluss, eigene Stück zu schreiben?
A.S.: Wir wollen auf jeden Fall ein Album mit eigenen Songs veröffentlichen! Eigentlich war das für 2009 geplant. Aber auf Grund unserer Live-Aktivitäten müssen wir das bis ins nächste Jahr verschieben.
Vor DEMON'S EYE habe ich übrigens ausschließlich in Bands gespielt, die ihre Songs selbst komponiert haben. Leider klappte der Songwritingprozess mit alten DEMON'S EYE-Besetzungen nicht wirklich gut. Aber eine Umbesetzung Ende 2007 hat diesbezüglich frischen Wind in die Band gebracht. Unser Gitarrist Mark sagte mir vor seinem Einstieg im Oktober 2007, dass er auf jeden Fall auch eigene Songs mit DEMON'S EYE veröffentlichen möchte. Und da hat er bei mir natürlich offene Türen eingerannt. Ja, und im letzten Jahr sind wir dann beim Burg Herzberg-Festival mit mehreren eigenen Songs auf die Bühne gegangen und kamen damit glücklicherweise nicht unter die Räder - sowohl die 3.000 Leute vor der Bühne als auch die anwesenden Pressevertreter waren begeistert. Das hat uns gezeigt, dass wir sehr wohl in der Lage sind, auch mit eigenen Songs zu überzeugen. Wir freuen uns auf diese Herausforderung und sammeln fleißig weitere Ideen. 2010 wird es das erste DEMON'S EYE-Album mit eigenen Songs geben!
HoR: Das Home of Rock wünscht dir und der Band weiterhin viel Erfolg und ich hoffe, dass man sich mal anlässlich eines DEMON'S EYE-Auftritts trifft. Danke für das Interview!
A.S.: Gerne geschehen!
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